
Trumps Steuerpolitik - Auswirkung auf deutsche Investoren
Zwar ist US-Präsident Donald Trump noch keine 100 Tage im Amt, das Tempo, in dem er seine Wahlkampfversprechen für die zweite Amtszeit umsetzt, ist jedoch hoch. Unter den Ankündigungen und Entscheidungen sind auch steuerliche Dekrete, die bereits eine erste Einschätzung zulassen, wie die Steuerpolitik der USA in den nächsten Jahren aussehen wird.
Welche steuerlichen Auswirkungen die „America-First“-Strategie der US-Regierung unter Trump für deutsche Unternehmen in den USA haben und ob sie diese vielleicht sogar für sich nutzen können, besprechen wir mit Chris Knipp, einem der Leiter der German Practice bei RSM US.
Chris, bevor wir uns den deutschen Investoren zuwenden, eine allgemeine Frage. Wie ist die derzeitige Stimmung im Land? Wie reagiert die amerikanische Wirtschaft auf die von Trump erlassenen wirtschaftspolitischen Dekrete. Erntet er nur Zustimmung oder bestehen auch Bedenken?
Die Stimmung in den USA ist erwartungsgemäß weiterhin gespalten. Während einige Unternehmen die wirtschaftspolitischen Maßnahmen von Trump begrüßen – insb. die steuerliche Entlastungen und Deregulierungen –, gibt es auch erhebliche Bedenken.
Besonders stark diskutiert werden die neuen Zölle und deren Auswirkungen auf globale Lieferketten, Inflation und die wirtschaftliche Entwicklung. Viele Unternehmen sind abwartend, da die politische Dynamik sich schnell verändern kann und noch unklar ist, wie weitreichend die Maßnahmen sein werden.
Gleichzeitig konzentrieren sich viele Unternehmen auf die nationalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die angekündigten Steuererleichterungen könnten Investitionen fördern, aber Unsicherheit über die langfristige Handelspolitik und mögliche Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder beeinflusst die strategische Planung vieler Firmen.
Nun zu den deutschen Investoren. Wir haben mit Dir bereits kurz nach der US-Präsidentschaftswahl im November 2024 über die Reaktion deutscher Investoren auf die Wahl von Donald Trump zum neue US-Präsidenten gesprochen. Wie ist die Stimmung unter Deinen deutschen Mandanten aktuell - haben sich die wirtschaftlichen Erwartungen gegenüber November 2024 verändert?
Wenig überraschend sind Unternehmen an Planungssicherheit interessiert und daher teils „genervt“ von den politischen Schwankungen und dem Hin und Her bei Trumps Zöllen. Die anfängliche Unsicherheit nach der Wahl hat sich mittlerweile jedoch in eine Mischung aus Vorsicht und Pragmatismus gewandelt. Während einige Unternehmen bereits strategische Anpassungen vorgenommen haben, beobachten andere die Entwicklungen weiterhin genau.
Die allgemeine Erwartung ist, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unter Trump zwar unternehmerfreundlich, aber auch unvorhersehbar gestalten könnten. Dennoch bleibt die Stimmung insgesamt positiv. Dies steht im Einklang mit den Ergebnissen des 2025 German American Business Outlook, der kürzlich von den Deutsch-Amerikanischen Handelskammern veröffentlicht wurde. Demnach planen 84 % der deutschen Tochtergesellschaften in den USA, ihre Investitionen in den nächsten drei Jahren zu steigern, und 95 % der befragten Unternehmen erwarten ein Wirtschaftswachstum in den USA, wobei 37 % ein starkes oder sehr starkes Wachstum prognostizieren. Dieser Optimismus unterstreicht das anhaltende Vertrauen deutscher Unternehmen in den US-Markt.
Nun hat Donald Trump seine Ankündigungen wahrgemacht und unmittelbar nach seiner Amtseinführung neue (Straf-)Zölle eingeführt. Für viele mittelständische Unternehmen in Deutschland ist das gerade das zentrale Thema, wenn es um den Handel mit den USA geht. Wie reagieren Deine Mandanten auf die Maßnahmen?
Auch in unserer Beratungspraxis ist dies derzeit das Thema Nummer 1. Insb. mittelständische Firmen, die stark vom transatlantischen Handel abhängen, sorgen sich über die neuen Handelsbarrieren. Vielfach bestehen auch Lieferbeziehungen zu Mexiko, was die Komplexität weiter erhöht.
Leider macht es uns die derzeitige Administration nicht leicht, konkrete Empfehlungen abzugeben. In dieser Situation versuchen wir aber unsere Mandanten bei ihren „Hausaufgaben“ zu unterstützen, indem wir ihnen helfen, ihre bestehenden Daten und Lieferketten zu analysieren, betroffene Produkte zu identifizieren und zu simulieren, wie sich mögliche Anpassungen der Zölle konkret auswirken könnten. Zudem beraten wir, welche Gegenmaßnahmen je nach Ausgestaltung ergriffen werden können.
Viele Unternehmen mit Produktionsstätten in den USA prüfen auch, wie sie von den aktuellen Rahmenbedingungen profitieren können – bspw. durch die Erschließung neuer Kunden, die bislang von Mitbewerbern bedient wurden oder durch weitere Investitionen in US-Standorte. Getreu dem Motto: In jeder Krise liegt auch eine Chance.
Einige Unternehmen, die bereits auf solche Szenarien vorbereitet sind, haben sich entsprechend ihrer Vorbereitungen schneller angepasst, während andere weiterhin die Entwicklung genau beobachten und ihre nächsten Schritte abwägen.
Neben der Verhängung von Zöllen hat Donald Trump auch erste Dekrete zur neuen Steuerpolitik der USA erlassen und u. a. den Ausstieg aus der Globalen Mindeststeuer angekündigt. Kannst Du uns dazu eine erste Einschätzung geben?
Der angekündigte Ausstieg aus der Globalen Mindeststeuer ist ein deutliches Signal, dass die USA eine eigenständigere Steuerpolitik verfolgen wollen. Dies als Ausstieg zu formulieren, ist allerdings nicht ganz korrekt, da die USA bereits unter der Biden-Regierung zwar an der Gestaltung der globalen Mindeststeuer mitgewirkt haben, jedoch entsprechende Gesetzesvorhaben nie durch den US-Kongress verabschiedet wurden. Für die Trump-Regierung ist es ein Dorn im Auge, Ländern extraterritoriale Hoheitsrechte über US-Unternehmen zu gewähren – bspw. durch die sog. Top-up-Steuer. Zudem wird befürchtet, dass das Abkommen die Steuerpolitik der USA einschränken könnte. Ein Beispiel hierfür sind Steuervergünstigungen, wie Gutschriften für Forschung- und Entwicklungsausgaben, die es US-Unternehmen ermöglichen, effektive Steuersätze von unter 15 % zu erzielen. Diese könnten im Widerspruch zur globalen Mindeststeuer stehen. Es ist derzeit noch unklar, ob und wie die Trump-Regierung sich dazu endgültig positionieren wird. Im Zusammenhang mit den US-eigenen internationalen Steuergesetzen ist die Materie jedoch höchst komplex. Ich empfehle Unternehmen daher dringend, sich frühzeitig mit der Planung und den möglichen steuerlichen Auswirkungen auseinanderzusetzen, insb. wenn sie grenzüberschreitend tätig sind. Es könnte sinnvoll sein, bestehende Steuerstrukturen und -strategien zu überprüfen und ggf. anzupassen, um auf potenzielle Änderungen in der US-Steuerpolitik flexibel reagieren zu können.
Welche steuerlichen Herausforderungen siehst Du vor diesem Hintergrund für deutsche Unternehmen, die in den USA tätig sind, in den nächsten Monaten?
Die steuerliche Landschaft in den USA wird sich weiter verändern. Die republikanischen Gesetzgeber haben in der letzten Februarwoche wichtige verfahrenstechnische Schritte auf dem Weg zu einer Anpassung der Steuergesetze unternommen, die voraussichtlich noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Der Senat und das Repräsentantenhaus haben jeweils einen Haushaltsbeschluss gefasst, auch wenn es hierbei noch erhebliche Unterschiede gibt. Diese müssen nun ausgeglichen werden, um die Gesetzgebung mit einer einfachen Mehrheit im Senat voranzutreiben.
Obwohl die verabschiedeten Haushaltsbeschlüsse keine spezifischen steuerpolitischen Maßnahmen enthalten, verdeutlichen sie die Dringlichkeit für Unternehmen, sich auf eine Steuergesetzgebung vorzubereiten, die die auslaufenden Bestimmungen des Tax Cuts and Jobs Act (TCJA) und andere Steuerfragen behandeln wird. Der Fokus wird dabei voraussichtlich auf Themen wie Unternehmensfinanzierung, Steueranreize und Anpassungen im Bereich der internationalen Besteuerung liegen.
Für deutsche Unternehmen, die in den USA tätig sind, bedeutet dies, dass sie sich verstärkt mit möglichen Veränderungen in der Steuerpolitik auseinandersetzen müssen. Es könnten neue Regelungen zu Steuervergünstigungen, wie etwa den genannten Forschungs- und Entwicklungsförderungen oder auch zu den internationalen Steuerabkommen, auf den Tisch kommen. Unternehmen sollten daher ihre Steuerstruktur regelmäßig überprüfen und sich auf Anpassungen vorbereiten, um von potenziellen Steuererleichterungen zu profitieren oder Risiken zu minimieren.
Eine Möglichkeit, um sich strategisch anzupassen und wettbewerbsfähig zu bleiben, könnte darin bestehen, Produktionskapazitäten in die USA zu verlagern bzw. auszubauen. Nimmst Du hierzu bei Deinen Mandanten aktuell verstärkten Beratungsbedarf wahr?
Definitiv. Viele deutsche Unternehmen, insb. in der Automobil-, Maschinenbau- und Chemiebranche, beschäftigen sich intensiv mit der Frage, ob eine Produktionsverlagerung in die USA wirtschaftlich sinnvoll ist. Dies ist nicht nur aufgrund der Zölle ein Thema, sondern auch wegen der steuerlichen Anreize und der strategischen Vorteile, die eine stärkere US-Präsenz bieten kann.
Der Markt in den USA bleibt trotz geänderter Rahmenbedingungen riesig und Unternehmen erkennen zunehmend, dass die Nähe zum Kunden und die Fähigkeit, schnell zu liefern, wichtige Wettbewerbsvorteile darstellen. Dies betrifft nicht nur die großen Unternehmen, wie z. B. Porsche und Audi, die laut Berichten der Finanzpresse möglicherweise erstmalig Produktionskapazitäten in die USA verlegen wollen, sondern eben auch mittelständische Unternehmen.
In unseren Gesprächen stellen wir fest, dass viele unserer Mandanten, zunehmend nach Standortanalysen und steuerlichen Optimierungsmöglichkeiten suchen, um ihre US-Aktivitäten wirtschaftlich und strategisch bestmöglich aufzustellen. Dabei spielen nicht nur die steuerlichen Anreize, sondern auch die Logistik- und Marktbedingungen eine zentrale Rolle. Unternehmen prüfen, wie eine verstärkte Präsenz in den USA, nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Zölle auf Importe, ihnen helfen kann, schneller auf die Bedürfnisse des Marktes zu reagieren und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Nun gibt es immer zwei Seiten einer Medaille: Bietet die protektionistische Steuerpolitik Trumps möglicherweise auch Chancen, für deutsche Unternehmen und wenn ja, welche Branchen sollten sich den US-amerikanischen Markt nun genauer anschauen?
Ja, insb. für Unternehmen, die in den USA investieren oder dort bereits tätig sind. Branchen, wie erneuerbare Energien, Technologie und Pharma, könnten von steuerlichen Anreizen und reduzierten regulatorischen Hürden profitieren.
Auch Unternehmen, die Teil der lokalen US-Wertschöpfungskette sind, könnten sich Wettbewerbsvorteile sichern. Trump setzt stark auf „Made in USA“, was bedeutet, dass Unternehmen mit Produktion oder wesentlicher Wertschöpfung in den USA bessere Chancen auf staatliche Aufträge oder Förderungen haben könnten.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die steuerlichen Rahmenbedingungen weiterentwickeln, aber Unternehmen mit einer langfristigen US-Strategie könnten durchaus profitieren. Besonders der Maschinenbau- und Automobilsektor könnte durch steuerliche Anreize für inländische Produktion profitieren, während technologieorientierte Unternehmen von einer erleichterten Kapitalverfügbarkeit in den USA profitieren könnten.
Lieber Chris, vielen Dank für die spannenden Einblicke!
Hinweis: Mehr Insights über die aktuelle Steuer- und Zollpolitik der US-Regierung unter Donald Trump und deren Auswirkungen für deutsche Unternehmen erhalten Sie in unserem Webinar am 29.04.2025, um 14 Uhr, mit Eva Rehberg, Partnerin bei RSM Ebner Stolz, und Chris Knipp, Partner bei RSM US. Melden Sie sich gerne hier zu diesem kostenfreien, einstündigen Webinar an.